Unternehmensnachfolge erfolgreich meistern
von Eva-Maria Groth, Geschäftsführerin der Personnel & Management Consulting Int. (PMC), Berlin.
Eva-Maria Groth, die nach Ihrem Philosophiestudium viele Jahre im Außenhandel tätig war, begann für PMC im Jahre 1992 als Consultant; 1995 übernahm Sie die Geschäftsführung der Niederlassung in Berlin.
PMC International ist ein europaweit agierendes Unternehmen mit Hauptsitz in Wien und Niederlassungen in der überwiegenden Zahl der neuen Mitgliedsländer der Europäischen Union. Schwerpunkt der Tätigkeit sind die Suche nach Führungskräften und Spezialisten sowie ihre Auswahl und Beurteilung entsprechend den spezifischen Anforderungen der Kunden. PMC ist bemüht diese Anforderungen rasch, effektiv und vertrauensvoll sowohl gegenüber dem Kunden als auch dem Bewerber zu erfüllen.
Nachfolgeproblematik
Gegenwärtig stehen in Deutschland jährlich mehr als 70.000 kleine und mittelständische Unternehmen vor der äußerst schwierigen Aufgabe, die Nachfolge der Unternehmensführung zu regeln. Die meisten wünschen zunächst, dass die Geschicke der Firma in den Händen der Kinder, zumindest aber der Familie bleiben.
Die Praxis zeigt jedoch, dass dieser Wunsch abklingt, wenn der Zeitpunkt der Übergabe näher rückt. Schließlich werden deutlich weniger als die Hälfte der Betriebe innerhalb der Familie übertragen.
Die Übergabe eines Unternehmens ist eine sehr komplexe und zeitaufwendige, aber darüber hinaus auch noch von Gefühlen und Empfindungen getragene Entscheidung. Das schwierigste ist oft die Überwindung des Unternehmers, sich selbst aus der Verantwortung zu entlassen.
Ganzheitliche Gestaltung des Prozesses
Die Unternehmensübergabe kann grundsätzlich auf drei Wegen erfolgen:
a) Wechsel der Unternehmensführung durch Veräußerung: Hier handelt es sich um den kurzfristigen Verkauf des Unternehmens an einen Dritten, mit einer großen Bandbreite von Folgerungen – von der Abwicklung zur Beseitigung von Konkurrenzpotenzial bis hin zu völlig andersartiger, branchenfremder Nutzung. Für den übergebenden Unternehmer steht in diesem Falle der reine Verkaufserlös im Vordergrund und nicht die Frage nach der Zukunft des Unternehmens.
b) Wechsel der Unternehmensführung im Rahmen der Übertragung von Unternehmensanteilen an eine Stiftung: Dabei werden in vielen Fällen gemeinnützige Stiftungen bevorzugt; das Stimmrecht kann über eine Vollmacht weiterhin vom Unternehmensgründer auf der Gesellschafter- bzw. Hauptversammlung ausgeübt werden, der auch als Kuratoriumsvorsitzender der Stiftung fungiert. Der neue Geschäftsführer kann in enger Tuchfühlung mit dem Firmengründer eingearbeitet werden. Auch nach Ableben des Gründers wird das Unternehmen aufgrund der Stiftungskonstruktion in seinem Sinne weitergeführt.
c) Übergabe an einen oder mehrere Nachfolger (MBO), von denen die Unternehmenstradition weitergeführt wird. Das ist die problematischste Variante, denn sie unterstellt die Beibehaltung des bisherigen Produktions- bzw. Dienstleistungsprofils.
Im Wirkungsfeld der Globalisierung als Wettlauf von produktivem Kapital und Geld um die Vorherrschaft der Verwertung gelten neue Regeln. Nicht nur die Struktur, auch der Standort des Unternehmens unterliegt einem neuen Wertbild. Erzeugnisse veralten, Produktionen werden verlagert, niedrigere Lohnkosten und besserer infrastruktureller Zugang begünstigen neue Standorte.
Pauschale Urteile sind daher nicht angebracht. ‚Das’ Nachfolgeunternehmen in Deutschland gibt es nicht, Problemfelder und Lösungsansätze sind höchst unterschiedlich nach Branche, Unternehmensgröße und regionalem Zuschnitt.
Aber gleichgültig, ob im Münsterland oder in Sachsen eine Nachfolge angetreten wird, es sind insgesamt vier Grundaufgaben zu erfüllen. Hier genügt nicht der so genannte ‚gesunde Menschenverstand’, auf den sich Unternehmer immer wieder berufen und der häufig genug einen Wertverlust zur Folge hat. Für diese Aufgaben ist sachlicher Rat, der auf Kenntnis und Erfahrung aufbaut, unumgänglich.
1.Analyse der Marktposition des Unternehmens
Hier setzen wir an. Gemeinsam mit unserem Spezialistenteam (Unternehmensberater, Wirtschaftsprüfer) erstellen wir eine aktuelle und realistische Analyse der Stellung des Unternehmens im Markt – eingeschlossen die Wettbewerbsfähigkeit - sowie eine Unternehmensbewertung. Unter Umständen ergibt sich daraus die Bestimmung neuer Geschäftsfelder, Dienstleistungen oder Produkte.
2. Suche eines Nachfolgers
Aus der erbrachten Analyse leiten sich die Anforderungen an den Nachfolger (Einzelperson oder Unternehmen) ab.
3. Finanzielle, juristische und steuerrechtliche Gestaltung der Übergabe
Die Komplexität dieser Aufgabenstellung bietet großen Gestaltungsspielraum, um eine akzeptable und optimale Lösung sowohl für den Übergebenden wie auch für den Übernehmenden zu finden.
Um ein optimales Ergebnis für den Unternehmer zu erzielen, sind Berater erforderlich, die über die nötige Distanz verfügen, um objektiv urteilen zu können. Dazu zählen unter anderem Rechtsanwälte, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer, Finanzexperten, Vertreter der Fachverbände und Kammern.
Prozess der Übergabe
Wenn alle vorangegangenen Schritte erfolgreich waren, scheint die Übergabe lediglich als ein letzter, ‚formaler’ Akt. Dem ist nicht so. Die Aufgabe von Verantwortung erweist sich oft als nicht gering zu achtende mentale Schwelle. Nicht wenige Unternehmensübergaben scheitern genau an diesem Problem! Daher sollte die Unternehmensnachfolge langfristig vorbereitet und zügig eingeleitet werden.
Der Prozess der Weitergabe von Wissen und Verantwortung und des gleichzeitigen Loslassens ist keine Sache von Tagen oder Wochen. Man sollte sich hier auf einen längeren Zeitraum einstellen.